Rinner Stefan

 

Wo liegt die Grenze zwischen der verrückten Quantenwelt und unserer Alltagswelt? 

Der Hörsaal H4 ist voll, als Stefan Rinner am 15. Dezember 2008 seine 60-minütige Abtrittsvorlesung mit dem Titel "Ein Quantum Trost für Schrödingers Katzen" hält: er geht der Frage nach, womit sich die Quantenphysik denn eigentlich beschäftigt und er erläutert einige Effekte wie beispielsweise den Tunneleffekt, der erklärt, warum ein Atom zur gleichen Zeit an zwei verschiedenen Orten sein kann. Stefan Rinner erläutert weiter, dass es der österreichische Quantenphysiker Erwin Schrödinger war, der die Frage aufwarf, wo denn die Grenze zwischen der verrückten Quantenwelt und unserer Alltagswelt liege - Warum kann eine Katze, die in einem Käfig sitzt, nicht zum gleichen Zeitpunkt an zwei verschiedenen Orten sein? Die Erörterungen des Wissenschaftlers Rinner sind sehr abstrakt und theoretisch. Und den Weg in die abstrakte und theoretische Welt der Physik beginnt Stefan Rinner bereits in der Schulzeit einzuschlagen.

 

Griechische Philosophen liegen zu Hause herum    

Zwar besucht Stefan Rinner bis 1990 das mathematisch-neusprachlich ausgerichtete Johann-Michael-Fischer-Gymnasium in Regensburg an der Donau, aber er belegt in der Oberstufe nicht etwa, wie es zu erwarten gewesen wäre, Physik als Leistungskurs, sondern Latein. Den Impuls erhält er indirekt von seinem grossen Bruder, denn der besucht ein altsprachliches Gymnasium und muss sich unter anderem mit den griechischen Philosophen beschäftigen - der Aristoteles, der Platon, der Demokrit und der Thales liegen zu Hause herum. Stefan Rinner liest und beschäftigt sich dabei mit elementaren Fragestellungen, die sich der Menschheit schon in der griechischen Antike stellten und die auf absolut abstrakter Ebene in der Physik diskutieret werden. Jetzt fällt die Entscheidung, Latein neben Biologie als Hauptfach zu wählen. Eher nebenbei und unsystematisch, aber erfolgreich, erarbeitet sich Stefan Rinner autodidaktisch fundierte Kenntnisse des Altgriechischen, so dass er nach seiner glänzend bestandenen Matura das Graecum an einem altsprachlichen Gymnasium ablegen kann.

 

Glück gehabt!

 

Mit der Matura und dem Graecum in der Tasche steht der Aufnahme eines Studiums im Jahr 1990 eigentlich nichts im Wege, sieht man einmal vom fünfzehnmonatigen Wehrdienst ab, den eigentlich jeder junge Mann in Deutschland nach der Schule ableisten muss. Aber Stefan Rinner hat Glück: "Die ganzen Leute aus der NVA waren auch noch da!" 1990 hat Deutschland nach der Wiedervereinigung und nach der Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR genügend Rekruten, so dass viele junge Männer zum Grundwehrdienst nicht eingezogen werden - und zu diesen Glückspilzen gehört Stefan Rinner.

 

Also wartet nun die Grossstadt auf ihn. Im Wintersemester 1990/91 beginnt Stefan Rinner sein Studium an der Ludwig-Maximilan-Universität in München. Er bezieht ganz in der Nähe des Königsplatzes ein sehr kleines Zimmer, das extrem spärlich eingerichtet, dafür umso teurer ist. Er geniesst es, abends in der Grossstadt unterwegs zu sein und ausgehen zu können und lernt auch viele Leute kennen. Gleichzeitig nimmt er sein Studium auf und zwar hält er die Fächer Latein, Physik und Mathematik. Tatsächlich bricht er das Lateinstudium nach vier Semestern und dem bestandenen Vordiplom ab, denn inzwischen hat er immer stärkeres Interesse an der Physik gefunden.

 

Mathematik und Physik als Hauptstudium

München ist ein teures Pflaster, wenn nicht gar die teuerste Stadt in Deutschland, und deshalb entscheidet sich der 21-jährige Physikstudent, nach Regensburg zurückzukehren. Um finanziell über Wasser zu bleiben, arbeitet Stefan Rinner in den Semesterferien als Postbote und stellt Briefe und Pakete zu: das macht Spass, denn er ist mit dem Rad unterwegs und lernt jeden Winkel der Stadt kennen. Ausserdem erteilt er Nachhilfeunterricht, wobei es ihm bei seiner Fächerkombination an Aufträgen seitens verzweifelter Eltern nicht mangelt. Jetzt studiert er Mathematik und Physik im Hauptstudium an der Regensburger Universität. Der einzige Nachteil der Universität ist der, dass sie ausserhalb der Innenstadt liegt. Dagegen liegen hier alle Fakultäten dicht beieinander und die Studenten der einzelnen Fachrichtungen stehen im regen Austausch miteinander. 1997 schliesst Stefan Rinner mit gerade einmal 26 Jahren sein Lehramtstudium der Fächer Physik und Mathematik erfolgreich ab.

 

Das Ende von Stefan Rinners Lehramtsstudium fällt in eine Zeit, in der man in Deutschland mit einer Mathematiker- und Physikerschwemme kämpft und deshalb entscheidet sich der Lehramtskandidat, im Wintersemester 1997 an der Universität Regensburg ein Erweiterungsstudium  im Fach Physik draufzusatteln; dabei ergibt sich für Stefan Rinner die Gelegenheit, am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching seine Diplomarbeit mit dem Titel "Rekonstruktion des Photonenzustands im Ein-Atom-Maser" anzufertigen. Sowohl für die Diplomarbeit als auch für seine Leistungen im Nebenfach Mathematik erhält der 27-jährige Student hervorragende Noten und deshalb erhält der Diplomphysiker (Dipl.-Phys.) auch gleich zwei Angebote, die er ohne Zögern annimmt: er kann am Max-Planck-Institut als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig sein, um hier seine Forschungsarbeiten voranzutreiben und eine Dissertation zu schreiben.

 

Das Projekt Referendardienst wird gestoppt!

Nach vier Jahren schliesst Stefan Rinner mit einer Doktorarbeit mit dem Thema "Ein-Atom-Maser: Erzeugung verschränkter Zustände und Dekohärenzuntersuchungen" ab und - wie nicht anders zu erwarten - wird die Dissertation schon wie bereits die Diplomarbeit - als herausragend bewertet. In dieser vierjährigen Promotionsphase fallen zwei weitere interessante Aktivitäten Stefan Rinners. Zum einen gründet er gemeinsam mit einem Freund eine kleine Firma, die für andere Firmen deren Internetpräsenzen und das dazugehörige Web-Design plant, gestaltet und realisiert. Und zum andern setzt Stefan Rinner zum Sprung in den Referendardienst an und - strauchelt. Kurz vor dem Ende der Promotion beginnt er als Quereinsteiger eine Studienreferendarausbildung am Luitpold-Gymnasium zu München, ausgerechnet an dem Gymnasium, auf das die Münchner Promis ihre Kinder schicken. Es zeigt sich, dass die Eltern der Gymnasiasten äusserst klagefreudig sind und Kollegium entsprechend frustriert ist. Das löscht Stefan Rinners Begeisterung für den Beruf des Gymnasiallehrers vollständig ab und ausserdem zeigt sich, dass in der Endphase der Promotion die zeitliche Belastung zu gross wird: Das Projekt Referendardienst wird gestoppt!

 

Nach der Promotion arbeitet Stefan Rinner zunächst einmal für ein weiteres halbes Jahr am Max-Planck-Institut um im Februar 2005 an die Regensburger Universität zurückzukehren. Dort forscht er als Postdoc am Lehrstuhl von Professor Dr. Klaus Richter in den folgenden zwei Jahren bis Ende Januar 2007 in der Arbeitsgemeinschaft "Festkörperbasierte Quanteninformationstheorie".

 

Für Stefan Rinner war die Wissensvermittlung schon immer eine Option: er studiert zunächst einmal auf Lehramt, er startet das Projekt Referendardienst, er wird Übungsleiter an der Universität Regensburg, wo er federführend im Wintersemester 2006/07 in der Organisation und Durchführung der Übungen "Mathematische Ergänzungen für Physiker" tätig ist.

 

Seit 2008 an der NTB

Ende 2007 endlich bewirbt sich Dr. rer.nat. Stefan Rinner an der NTB und seit  April 2008 ist er am Institut für Computational Engineering in der Funktion als Dozent für Physik tätig. Er schätzt die Übersichtlichkeit der Hochschule und er ist begeistert über die exzellente Ausstattung der Labore und Seminarräume; und er freut sich über die intensive Unterstützung vonseiten des Institutsteams. Der neue Dozent geniesst den Ausblick aus seinem Büro, wenn er nicht gerade mit Vorlesungen und Übungen für seine über 60 Studenten beschäftigt ist. In Buchs hat er sich rasch eingelebt: er wohnt direkt in einer Wohnungen über der Buchser Einkaufsmeile und er erwägt als Klavierspieler, sich ein elektronischen Klavier anzuschaffen, damit er störungsfrei über Kopfhörer in den eigenen vier Wänden üben kann. Stefan Rinner geht auch gerne auf Reisen, und zwar in die Länder, in denen es dann mit der Verständigung auch reibungslos klappt: die USA, England, Frankreich und Italien sind da die Spitzenreiter, wobei er das Reisen mit dem Zug favorisiert, denn man steigt irgendwo aus und entdeckt das Neuland. Als nächstes Ziel peilt Stefan Rinner Milano an. Gerne geht er auch ins Kino und dort schaut er mit besonderer Vorliebe Actionfilme an. Und wie heisst der Actionfilm, der ihn zuletzt besonders inspiriert hat? Natürlich "007, Ein Quantum Trost"!